Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die meisten Nachhaltigkeitskonzepte für Sportevents scheitern, weil sie bei Symptomen wie Müll ansetzen, statt das Problem an der Wurzel zu packen.

  • Echte Wirkung entsteht durch einen systemischen Ansatz, der Ökologie, Ökonomie und Soziales verbindet.
  • Die klare Priorisierung von Vermeidung vor Reduktion und Kompensation ist der entscheidende Hebel für die Klimawirksamkeit.

Empfehlung: Beginnen Sie mit der Analyse der grössten Emissionsquellen (oft die An- und Abreise der Teilnehmer) und bauen Sie darauf Ihre gesamte Wertschöpfungsarchitektur auf.

Jeder Eventorganisator in Deutschland kennt den Druck: Sportveranstaltungen sollen nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch ökologische Verantwortung demonstrieren. Die üblichen Reaktionen sind schnell gefunden – Mehrwegbecher, Mülltrennung und der Aufruf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Diese Massnahmen sind wichtig, kratzen aber nur an der Oberfläche eines vielschichtigen Problems. Sie behandeln Symptome, während die eigentlichen Ursachen für den negativen ökologischen Fussabdruck eines Events unangetastet bleiben. Die Gefahr des Greenwashings ist gross und die Enttäuschung bei Teilnehmern und Sponsoren vorprogrammiert, wenn die vollmundigen Versprechen einem Realitätscheck nicht standhalten.

Doch was, wenn die wahre Lösung nicht in isolierten Aktionen, sondern in einem grundlegenden Umdenken liegt? Was, wenn Nachhaltigkeit kein Add-on, sondern das zentrale Betriebssystem Ihrer Veranstaltung wird? Ein solcher Ansatz betrachtet ein Event nicht als eine Kette von Problemen, die es zu minimieren gilt, sondern als ein System, das aktiv einen positiven Beitrag für Umwelt, Gesellschaft und die lokale Wirtschaft leisten kann. Es geht darum, eine positive Wirkungslogik zu etablieren, die weit über die reine CO2-Neutralität hinausgeht und echte Klimapositivität anstrebt.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diesen systemischen Wandel vollziehen. Wir beleuchten die drei Dimensionen echter Nachhaltigkeit, geben eine radikal praktische Anleitung für ein Zero-Waste-Laufevent, analysieren strategische Entscheidungen wie die Wahl des Caterers und zeigen, wie Sie Ihre Wirkung messen und glaubwürdig kommunizieren. Ziel ist es, Ihnen ein praxiserprobtes Framework an die Hand zu geben, um Ihre Sportveranstaltung in Deutschland nicht nur klimaschonend, sondern klimapositiv zu gestalten.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, wie Sie diese ambitionierten Ziele Schritt für Schritt erreichen, gliedert sich der Artikel in acht praxisnahe Abschnitte. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die zentralen Bausteine eines erfolgreichen und nachhaltigen Eventmanagements.

Warum echte Event-Nachhaltigkeit mehr ist als Müllvermeidung: Die 3 Dimensionen?

Echte Nachhaltigkeit für Sportevents ist ein Dreiklang, der weit über ökologische Aspekte wie Mülltrennung oder Energieeffizienz hinausgeht. Um eine Veranstaltung wirklich zukunftsfähig aufzustellen, müssen drei Dimensionen systemisch und gleichberechtigt betrachtet werden: die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Die alleinige Fokussierung auf die Reduzierung des ökologischen Fussabdrucks greift zu kurz und vernachlässigt immense Potenziale, die in den anderen beiden Säulen schlummern.

Die ökologische Dimension ist die bekannteste. Hier geht es um Ressourcenschonung, Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität und die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft. Themen wie Mobilitätskonzepte, Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen und Zero-Waste-Strategien sind hier verankert. Die Herausforderung besteht darin, nicht nur einzelne Massnahmen umzusetzen, sondern den gesamten Lebenszyklus des Events von der Planung bis zum Rückbau zu analysieren und zu optimieren.

Die ökonomische Dimension zielt auf eine langfristig tragfähige und regional verankerte Wertschöpfung ab. Anstatt Gewinne zu maximieren, indem man auf die billigsten, oft globalen Anbieter zurückgreift, wird hier die lokale Wirtschaft gezielt gestärkt. Dies schafft nicht nur Arbeitsplätze und sichert Steuereinnahmen, sondern erhöht auch die Resilienz und Akzeptanz des Events in der Region. Es geht um faire Preise, transparente Finanzflüsse und Investitionen, die der Gemeinschaft zugutekommen.

Die soziale Dimension ist vielleicht die wichtigste für die langfristige Legitimation eines Events. Sie umfasst Aspekte wie Inklusion, Barrierefreiheit, faire Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz und die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ein sozial nachhaltiges Event schafft positive Erlebnisse für alle Beteiligten – von den Athleten über die ehrenamtlichen Helfer bis hin zu den Anwohnern. Ein wegweisendes Beispiel aus Deutschland ist, dass der FC St. Pauli als erster Profi-Fussballclub weltweit eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt hat, die genau diese Verflechtung von ökonomischem Handeln mit sozialen und ökologischen Zielen transparent macht. Dieser Ansatz zeigt, wie ein Sportverein seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden kann.

Wie Sie ein 500-Personen-Laufevent mit unter 5kg Restmüll organisieren?

Ein Laufevent für 500 Personen mit praktisch keinem Restmüll zu organisieren, klingt utopisch, ist aber mit einer radikalen Zero-Waste-Strategie machbar. Der Schlüssel liegt darin, Müll nicht als ein Entsorgungsproblem am Ende der Veranstaltung zu sehen, sondern Abfallpotenziale von Anfang an aus der Planung zu eliminieren. Dies erfordert eine detaillierte Analyse aller Materialflüsse und eine klare Kommunikation mit Teilnehmern, Partnern und Helfern.

Der erste Schritt ist die Verbannung von Einwegprodukten. Das betrifft nicht nur die berüchtigten Plastikbecher an den Verpflegungsstationen, sondern auch Startnummern mit Wegwerf-Sicherheitsnadeln, Medaillen in Plastikfolie und Goodie-Bags voller Werbeflyer. Etablieren Sie stattdessen ein System mit Mehrwegbechern, die an zentralen Stationen eingesammelt und gereinigt werden. Startnummern können mit wiederverwendbaren Bändern befestigt werden, und die digitale „Goodie-Bag“ per E-Mail ersetzt die physische Tüte. Inspiration bieten hier Initiativen wie das Zero Waste Future Festival in Berlin, bei dem Akteure der Berliner Stadtreinigung (BSR) praxisnah zeigen, wie Reparatur, Upcycling und Abfallvermeidung im Alltag funktionieren.

Die Verpflegung ist ein weiterer entscheidender Hebel. Arbeiten Sie mit einem lokalen Caterer zusammen, der unverpackte, saisonale und regionale Lebensmittel anbietet. Bananen und Äpfel benötigen keine zusätzliche Verpackung. Wasser kann über mobile Trinkbrunnen oder grosse Kanister direkt in die Mehrwegbecher der Läufer gefüllt werden. Anstatt einzeln verpackter Energieriegel können grosse Behälter mit Nüssen, Trockenfrüchten oder selbstgemachten Müsliriegeln bereitgestellt werden.

Dieser Prozess muss von einer durchdachten Infrastruktur und Kommunikation begleitet werden. Richten Sie klar gekennzeichnete Recycling- und Sammelstationen ein, die von geschulten „Waste-Rangern“ betreut werden. Diese Helfer erklären den Teilnehmern aktiv das Trennsystem und stellen sicher, dass die wenigen anfallenden Wertstoffe (wie Bananenschalen für den Kompost) korrekt entsorgt werden. Informieren Sie die Teilnehmer bereits bei der Anmeldung über das Zero-Waste-Konzept und motivieren Sie sie, eigene Trinkflaschen mitzubringen und aktiv mitzuwirken. So wird Müllvermeidung zu einem gemeinschaftlichen Erfolgserlebnis.

Vorbereitung eines Zero-Waste-Laufevents mit Mehrwegbechern und Sammelstationen

Wie dieses Bild andeutet, liegt der Erfolg in der Vorbereitung. Ein durchdachtes Mehrwegsystem und klar definierte Sammelpunkte sind die materielle Grundlage für ein sauberes Event. Nur wenn die Infrastruktur intuitiv und einfach zu nutzen ist, wird sie von den Teilnehmern auch angenommen.

Lokale Caterer oder günstige Grosslieferanten: Was für nachhaltige Events richtig ist?

Die Wahl des Verpflegungspartners ist eine der wirkungsvollsten Entscheidungen im nachhaltigen Eventmanagement. Auf den ersten Blick scheint der ökonomische Vorteil von Grosslieferanten mit ihren niedrigen Preisen pro Kopf unschlagbar. Eine systemische Betrachtung, die ökologische und soziale Kosten miteinbezieht, zeichnet jedoch oft ein anderes Bild. Die Entscheidung zwischen einem lokalen Caterer und einem Grosslieferanten ist eine strategische Weichenstellung für die gesamte Wertschöpfungsarchitektur Ihres Events.

Grosslieferanten punkten mit standardisierten Prozessen, optimierter Logistik – teilweise sogar mit E-LKW-Flotten – und einer hohen Kosteneffizienz. Diese Vorteile gehen jedoch oft mit Nachteilen einher: lange Transportwege für die Lebensmittel, ein geringerer Anteil an regionaler Wertschöpfung und wenig Flexibilität bei der Menügestaltung. Zudem entspricht die Bio-Zertifizierung häufig nur dem EU-Mindeststandard, während strengere Siegel wie Demeter oder Bioland, die in Deutschland einen hohen Stellenwert geniessen, seltener zu finden sind.

Lokale Caterer hingegen stehen für kurze Transportwege, maximale regionale Wertschöpfung und hohe Flexibilität. Sie können auf saisonale Verfügbarkeiten reagieren, individuelle Menüwünsche umsetzen und die Geschichte hinter den Produkten erzählen. Dies stärkt nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern erhöht auch die emotionale Bindung und die wahrgenommene Qualität bei den Teilnehmern. Der höhere Preis pro Person relativiert sich, wenn man den gesellschaftlichen Mehrwert und die geringeren externen Kosten (z.B. für CO2-Emissionen) mit einberechnet.

Die folgende Tabelle fasst die zentralen Unterschiede zusammen und dient als Entscheidungshilfe, wie eine vergleichende Analyse für nachhaltige Events zeigt:

Vergleich lokaler Caterer vs. Grosslieferanten für nachhaltige Events
Kriterium Lokale Caterer Grosslieferanten
Transportemissionen Kurze Wege (unter 50km) Optimierte Logistik mit E-LKW-Flotte möglich
Wertschöpfung 100% regional 20-30% regional
Bio-Zertifizierung Oft Demeter/Bioland Meist EU-Bio-Standard
Flexibilität Hoch (individuelle Anpassung) Niedrig (Standardmenüs)
Preis pro Person 25-40€ 15-25€

Die Entscheidung ist letztlich eine Frage der Prioritätensetzung. Wenn der Fokus auf der Schaffung eines authentischen, regional verankerten Erlebnisses mit maximal positivem sozialem und ökologischem Fussabdruck liegt, ist der lokale Caterer trotz höherer direkter Kosten oft die strategisch klügere Wahl. Diese Haltung wird auch von Experten wie Prof. Dr. Peter Kuhn vom Bayreuther Zentrum für Sportwissenschaft unterstrichen:

Diese Themenfelder decken alles ab, was wir im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung von Sportveranstaltungen ansteuern können.

– Prof. Dr. Peter Kuhn, Bayreuther Zentrum für Sportwissenschaft und Denkfabrik sportainable

Die 3 Nachhaltigkeits-Claims, die Events meiden sollten um glaubwürdig zu bleiben?

In dem Bestreben, nachhaltig zu wirken, tappen viele Veranstalter in die Greenwashing-Falle. Bestimmte Begriffe und Versprechen sind so überstrapaziert oder irreführend, dass sie mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, weil sie die Glaubwürdigkeit untergraben. Für eine transparente und ehrliche Kommunikation sollten Sie vor allem drei problematische Claims vermeiden und durch präzisere, handlungsorientierte Formulierungen ersetzen.

1. „Klimaneutral“: Dieser Begriff ist zum Inbegriff des Greenwashings geworden. Er suggeriert, dass das Event keine negativen Klimaauswirkungen hat, was in der Realität fast unmöglich ist. Meist wird die „Neutralität“ durch den günstigen Zukauf von CO2-Zertifikaten zweifelhafter Qualität erreicht, ohne dass die eigenen Emissionen nennenswert reduziert wurden. Dies lenkt vom eigentlichen Ziel – der Vermeidung – ab.

  • Bessere Alternative: Seien Sie konkret und ehrlich über Ihre Massnahmen. Eine Formulierung, wie sie das deutsche Bundesumweltministerium (BMUV) vorschlägt, lautet: „Wir setzen das Turnier als klimaschonende Veranstaltung gemäss unserer Nachhaltigkeitsstrategie um.“ Dies kommuniziert das Bemühen, ohne eine fehlerhafte Perfektion zu suggerieren.

2. „Umweltfreundlich“: Ähnlich wie „klimaneutral“ ist dieser Begriff zu vage und unspezifisch. Jede Veranstaltung hat Auswirkungen auf die Umwelt. Die Behauptung, „umweltfreundlich“ zu sein, ist eine pauschale Aussage ohne jeglichen Beweis. Was genau macht das Event freundlich zur Umwelt? Fehlt diese Konkretisierung, wirkt der Claim schnell wie eine leere Marketinghülse.

3. „100% nachhaltig“: Nachhaltigkeit ist kein Endzustand, den man erreichen kann, sondern ein kontinuierlicher Prozess der Verbesserung. Niemand ist „100% nachhaltig“. Ein solcher Claim ist nicht nur unglaubwürdig, sondern auch arrogant. Er ignoriert die Komplexität des Themas und die Tatsache, dass es immer Zielkonflikte und Verbesserungspotenziale geben wird.

  • Bessere Alternative: Fokussieren Sie auf den Prozess und Ihre Ambitionen. Kommunizieren Sie: „Unser Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung unserer Nachhaltigkeitsleistung. Aktuell konzentrieren wir uns darauf, Stoffkreisläufe besser zu berücksichtigen, ohne die Strahlkraft des Events zu schmälern.“ Das zeigt Engagement und Realismus.

Wie Sie Nachhaltigkeitswirkung Ihres Events objektiv messen und berichten?

Nachhaltigkeitsbemühungen sind nur dann glaubwürdig, wenn ihre Wirkung objektiv gemessen und transparent berichtet wird. Ohne eine solide Datengrundlage bleiben selbst die besten Absichten nur Behauptungen. Der Schlüssel zu einer effektiven Wirkungsmessung liegt in einem systematischen Ansatz, der klare Ziele, relevante Kennzahlen (KPIs) und die richtigen Werkzeuge miteinander verbindet. Es geht darum, eine klare Wirkungslogik zu etablieren: Welche Massnahmen führen zu welchen messbaren Ergebnissen?

Zuerst müssen die wesentlichen Handlungsfelder identifiziert werden. Wo hat Ihr Event die grössten Auswirkungen? Aktuelle Analysen zeigen, dass bis zu 90% der Emissionen bei Sportevents durch die An- und Abreise der Teilnehmer, Athleten und Mitarbeiter entstehen. Daher ist die Messung des Mobilitätsverhaltens (z.B. Anteil der Anreisen mit ÖPNV, Fahrrad oder in Fahrgemeinschaften) ein entscheidender KPI. Weitere wichtige Messgrössen sind der Energie- und Wasserverbrauch, die Abfallmenge pro Kopf (aufgeteilt in Restmüll, Recycling und Kompost) sowie der Anteil regionaler und biologischer Produkte im Catering.

Um diese Daten zu erfassen und auszuwerten, gibt es in Deutschland spezialisierte Werkzeuge. Das Webportal nachhaltige-sportveranstaltungen.de, unterstützt vom Bundesumweltministerium, bietet beispielsweise einen umfassenden Leitfaden und Checklisten. Die dort vorgestellten 17 Handlungsfelder in 5 Transformationsbereichen helfen dabei, die eigene Veranstaltung systematisch zu analysieren und relevante KPIs festzulegen. Solche Tools ermöglichen es auch kleineren Veranstaltern, ohne grossen Aufwand eine professionelle Nachhaltigkeitsbilanz zu erstellen.

Das Reporting sollte schliesslich ehrlich und verständlich sein. Anstatt sich hinter komplexen Zahlen zu verstecken, visualisieren Sie die Fortschritte mit einfachen Grafiken. Berichten Sie nicht nur über Erfolge, sondern auch über Herausforderungen und die daraus abgeleiteten Ziele für das nächste Event. Ein transparenter Nachhaltigkeitsbericht, der auf der Event-Website veröffentlicht wird, schafft Vertrauen und zeigt, dass Sie das Thema ernst nehmen. Er wird vom reinen Marketinginstrument zum strategischen Management-Tool.

Audit-Checkliste zur Wirkungsmessung Ihres Events

  1. Datenquellen definieren: Listen Sie alle Punkte auf, an denen relevante Daten anfallen (z.B. Zählerstände für Strom/Wasser, Wiegeprotokolle für Abfall, Umfragen zur Anreise der Teilnehmer).
  2. Messinstrumente inventarisieren: Erfassen Sie die vorhandenen Tools (z.B. digitale Umfrage-Tools, Abfallmanagement-Software, Excel-Vorlagen) und identifizieren Sie Lücken.
  3. KPIs mit Zielen abgleichen: Stellen Sie sicher, dass jeder definierte KPI (z.B. „Reduktion des Restmülls um 30%“) direkt auf Ihre übergeordneten Nachhaltigkeitsziele einzahlt.
  4. Datenqualität bewerten: Prüfen Sie die Verlässlichkeit Ihrer Daten. Sind die Messungen exakt oder basieren sie auf Schätzungen? Wo können Sie die Genauigkeit verbessern?
  5. Berichtskanäle festlegen: Planen Sie, wo und wie die Ergebnisse kommuniziert werden (z.B. als Infografik auf Social Media, als detaillierter Bericht auf der Website, als Teil des Jahresberichts).

Welche 5 Faktoren über Erfolg oder Misserfolg eines Sportevents entscheiden?

Der Erfolg eines Sportevents wird längst nicht mehr nur an Teilnehmerzahlen oder sportlichen Rekorden gemessen. Ein modernes, erfolgreiches Event zeichnet sich durch ein Zusammenspiel von fünf zentralen Faktoren aus, die von der strategischen Planung bis zur emotionalen Wirkung reichen. Nachhaltigkeit ist dabei kein isolierter Aspekt, sondern ein integraler Bestandteil, der auf alle anderen Faktoren einzahlt und den Erfolg massgeblich mitbestimmt.

1. Klare Vision und Positionierung: Jedes erfolgreiche Event hat eine Seele. Wofür steht die Veranstaltung? Geht es um Breitensport und Gemeinschaft, um sportliche Exzellenz oder um ein einzigartiges Naturerlebnis? Eine klare Vision ist die Grundlage für alle Entscheidungen und schafft eine starke Marke, die die richtigen Teilnehmer, Sponsoren und Helfer anzieht.

2. Exzellentes Teilnehmererlebnis (Participant Experience): Von der Anmeldung über die Streckenführung bis zur Atmosphäre im Zielbereich – das Erlebnis der Teilnehmer steht im Mittelpunkt. Dazu gehören eine reibungslose Organisation, eine sichere Umgebung, eine gute Verpflegung und eine klare Kommunikation. Ein positives Erlebnis führt zu Weiterempfehlungen und einer hohen Wiederkehrrate, dem wichtigsten Kapital eines jeden Serienevents.

3. Solide wirtschaftliche Grundlage: Ein Event muss finanziell tragfähig sein. Dies erfordert eine realistische Budgetierung, ein diversifiziertes Einnahmenmodell (Startgelder, Sponsoring, Gastronomie) und eine strikte Kostenkontrolle. Grosse Events können dabei erhebliche ökonomische Impulse setzen. So generierte die UEFA EURO 2024 laut einer Studie von Nielsen Sports eine Wertschöpfung von über 7,4 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft und demonstrierte damit die immense ökonomische Hebelwirkung von professionell organisierten Sportgrossveranstaltungen.

4. Positive gesellschaftliche und ökologische Wirkung: Dieser Faktor gewinnt rasant an Bedeutung. Events, die nachweislich einen positiven Beitrag für die Umwelt und die lokale Gemeinschaft leisten, geniessen eine höhere Akzeptanz und Legitimität. Das Pilotprojekt Green Events Hamburg zeigt eindrücklich, wie die Beratung durch Nachhaltigkeitsexperten nicht nur die Umweltbilanz von Events wie dem Hockey Pro League oder dem MidSummerRun verbessert, sondern die Veranstaltungen durch neue Impulse und Partnerschaften bereichert.

5. Professionelles Stakeholder-Management: Ein Event ist ein komplexes Ökosystem aus Teilnehmern, Freiwilligen, Sponsoren, Behörden, Anwohnern und Medien. Der Erfolg hängt davon ab, die Interessen und Erwartungen all dieser Gruppen zu verstehen und auszubalancieren. Eine proaktive, transparente und wertschätzende Kommunikation mit allen Stakeholdern ist unerlässlich, um Konflikte zu vermeiden und langfristige Partnerschaften aufzubauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Echte Nachhaltigkeit integriert immer ökologische, ökonomische und soziale Dimensionen – sie ist mehr als nur Umweltschutz.
  • Die wirksamste Klimastrategie ist die strikte Hierarchie: Emissionen zuerst vermeiden, dann reduzieren und nur den unvermeidbaren Rest kompensieren.
  • Glaubwürdigkeit entsteht durch transparente Taten und ehrliche Kommunikation, nicht durch vage Claims wie „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“.

CO2-Kompensation oder Vermeidung: Welche Strategie wirklich klimawirksam ist?

Die Frage, ob man CO2-Emissionen kompensieren oder vermeiden sollte, ist eine der am heissesten diskutierten im nachhaltigen Eventmanagement. Die Antwort von Klimaexperten ist jedoch eindeutig: Vermeidung hat immer absoluten Vorrang vor Reduktion, und Reduktion immer vor Kompensation. Die Kompensation, also der Kauf von Klimazertifikaten, um andernorts Emissionen einzusparen, darf nur das allerletzte Mittel für nachweislich unvermeidbare Emissionen sein. Sie ist keine strategische Lösung, sondern eine Notlösung.

Der Grund dafür ist einfach: Kompensation ändert nichts an den eigenen, emissionsintensiven Prozessen. Sie ist wie eine Schmerztablette, die das Symptom lindert, aber die Krankheit nicht heilt. Eine Veranstaltung, die auf Kompensation setzt, ohne ihre grundlegenden Abläufe zu ändern, verpasst die Chance, innovativ und wirklich zukunftsfähig zu werden. Echte Klimawirksamkeit entsteht durch die intelligente Neugestaltung von Prozessen, um Emissionen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Ein praxiserprobtes Modell für die Budgetierung von Klimaschutzmassnahmen, wie es das renommierte deutsche Öko-Institut empfiehlt, folgt einer klaren Hierarchie. Dr. Hartmut Stahl, ein führender Forscher des Instituts, rät Veranstaltern zu einer strategischen Aufteilung ihrer Ressourcen, die auf einer fundierten Klimabilanz des Events basiert. Das Ziel ist es, den Sportsektor als Vorbild für nachhaltige Entwicklung zu positionieren.

Die strategische Hierarchie lässt sich in einer einfachen Budget-Regel zusammenfassen, die auf den Ergebnissen einer Analyse der Klimawirkung von Sportevents basiert:

  1. 80% des Budgets in Vermeidungsmassnahmen investieren: Der Löwenanteil der Mittel sollte in Massnahmen fliessen, die Emissionen von vornherein verhindern. Dazu gehören intelligente Mobilitätskonzepte, die Umstellung auf eine rein pflanzliche oder vegetarische Verpflegung mit lokalen Zutaten oder die Wahl eines Veranstaltungsortes, der bereits über eine exzellente Anbindung an den ÖPNV verfügt.
  2. 15% für Reduktionsstrategien einplanen: Wo eine vollständige Vermeidung nicht möglich ist, sollten Emissionen so weit wie möglich reduziert werden. Beispiele sind die Installation energieeffizienter Technik, die Optimierung der Logistik oder die Reduzierung des Materialeinsatzes.
  3. Maximal 5% für unvermeidbare Kompensationen reservieren: Nur der kleine, nachweislich nicht vermeid- oder reduzierbare Rest an Emissionen (z.B. die Anreise internationaler Top-Athleten per Flugzeug) sollte durch den Kauf hochwertiger, zertifizierter Klimaschutz-Zertifikate kompensiert werden.

Wie Sie Sportwettbewerbe durch professionelles Eventmanagement erfolgreich orchestrieren?

Die erfolgreiche Orchestrierung eines modernen Sportwettbewerbs gleicht der Führung eines komplexen Unternehmens. Es erfordert ein professionelles Managementsystem, das alle Fäden – von der Vision über die Finanzen bis zur Nachhaltigkeit – zusammenhält. Der Schlüssel liegt darin, Nachhaltigkeit nicht als separate Aufgabe zu betrachten, sondern sie tief in die Kernprozesse des Eventmanagements zu integrieren. Genau hier setzt der internationale Standard ISO 20121 an.

Die ISO 20121 ist ein Managementsystemstandard für nachhaltige Veranstaltungen. Er bietet einen international anerkannten Rahmen, um Nachhaltigkeitsaspekte systematisch in alle Phasen eines Events zu integrieren – von der Planung über die Durchführung bis zur Nachbereitung. Der Standard ist skalierbar und kann von kleinen lokalen Läufen bis hin zu olympischen Spielen angewendet werden. Er funktioniert nach dem klassischen Plan-Do-Check-Act-Zyklus und zwingt Organisationen dazu, sich klare Ziele zu setzen, Massnahmen umzusetzen, deren Wirkung zu messen und sich kontinuierlich zu verbessern.

Indem Sie Ihr Eventmanagement nach ISO 20121 ausrichten, verwandeln Sie Nachhaltigkeit von einer losen Sammlung guter Vorsätze in einen strukturierten, messbaren und transparenten Prozess. Es ist der ultimative Schritt, um den zuvor beschriebenen „Betriebssystem-Ansatz“ in die Praxis umzusetzen.

Fallbeispiel: Die Weiterentwicklung der ISO 20121:2024

Die 2024 veröffentlichte Neufassung des Standards, die ISO 20121:2024, legt noch mehr Gewicht auf soziales Wirken, Inklusion und Diversität. Sie erkennt an, dass ein Event nur dann wirklich nachhaltig ist, wenn es auch einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet. Der Standard lenkt Organisationen aktiv in Richtung ethischer, umweltfreundlicher und sozial bewusster Praktiken. Die Zertifizierung nach diesem Standard ist ein starkes Signal an Sponsoren, Teilnehmer und die Öffentlichkeit, dass die Veranstaltung professionell gemanagt wird und ihre Verantwortung ernst nimmt. In Deutschland gibt es bereits Vorreiter wie die WWM, die als eines der ersten Unternehmen der Branche nach der neuen DIN ISO 20121:2024 zertifiziert wurde und damit einen neuen Massstab für professionelles und nachhaltiges Veranstaltungsmanagement setzt.

Die Implementierung eines solchen Systems professionalisiert nicht nur Ihre Nachhaltigkeitsbemühungen, sondern Ihr gesamtes Eventmanagement. Es schafft klare Verantwortlichkeiten, verbessert die Effizienz, minimiert Risiken und stärkt die Glaubwürdigkeit Ihrer Veranstaltung. Es ist der entscheidende Schritt, um einen Sportwettbewerb nicht nur erfolgreich, sondern auch zukunftsfähig zu orchestrieren.

Um diesen ganzheitlichen Ansatz in Ihre Organisation zu tragen, ist es entscheidend, die Prinzipien eines professionellen, systembasierten Eventmanagements zu verstehen und anzuwenden.

Beginnen Sie jetzt damit, Ihr Eventmanagement als ein integriertes Nachhaltigkeitssystem zu begreifen. Nutzen Sie die hier vorgestellten Strategien und Werkzeuge, um nicht nur erfolgreiche, sondern zukunftsfähige und klimapositive Sportwettbewerbe in Deutschland zu gestalten, die einen echten Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.

Geschrieben von Thomas Schneider, Thomas Schneider ist Diplom-Sportökonom und seit 15 Jahren auf nachhaltiges Eventmanagement und die Organisation von Ausdauersport-Veranstaltungen spezialisiert. Als Geschäftsführer einer auf Lauf- und Radsportevents spezialisierten Agentur in Freiburg organisiert er klimaneutrale Sportveranstaltungen und berät Kommunen sowie Sportverbände bei der Umsetzung nachhaltiger Eventkonzepte.